10 FRAGEN AN JAN SCHAWE

Als Hommage an hausgemachte Feinkost gedacht, hat sich das Mutterland zu einem Tempel für Slowfood-Liebhaber und Delikatessen-Trendsetter etabliert. Wir haben unseren Gründer Jan getroffen und ihm 10 Fragen gestellt.

 


Trends kommen und
gehen – und das immer
schneller. Qualität bleibt!


 

Was wir in den letzten Jahren mit Mutterland erreicht haben, und dabei geht es mir nicht um unsere Jahresumsätze oder wirtschaftliche Ergebnisse, freut mich sehr. Wir sind Heimat von tausenden Delikatessen geworden, die alle in Deutschland sorgsam verarbeitet und fair gehandelt werden. In denen steckt anders als bei vielen industriell gefertigten Erzeugnissen wirklich authentischer Geschmack und viel Seele. Es geht uns darum inhabergeführte Manufakturen zu fördern und unsere Ernährungssouverinität zu stärken. Die immer größer werdende Macht großer Konzerne finde ich manchmal besorgniserregend! Ist es gut, dass einige wenige Konzerne die weltweite Ernährungsindustrie dominieren und steuern? Mutterland versteht sich allerdings nicht als Gegner der großen Player sondern als eine Art Ergänzung oder Bereicherung, um einfach die Vielfalt zu fördern und den Kleinen eine Chance auf dem Markt zu geben.

 

03. In Mutterlands Regalen findet man immer wieder Neues und Seltenes. Zum Beispiel hochwertige Brände und Geiste von der Premium Brennerei DSM aus Berlin (S. 95) oder vegane oder international prämierte Schokoladen wie z.B. Kilian & Close (S. 49). Wo spürt Mutterland all diese tolle Geheimtipp-Feinkost auf und wie hast du eine Nase dafür entwickelt, was ein Verkaufsschlager werden könnte?

 

JAN SCHAWE: Das hat sich drastisch in den letzten Jahren geändert. Früher bin ich wie ein Trüffelschwein ständig auf der Suche nach Neuem gewesen. Vor dem Start von Mutterland, habe ich zwei Jahre intensiv unser Sortiment zusammengestellt. Mittlerweile ist unser Team im Einkauf gewachsen und wir genießen mit Mutterland deutschlandweit einen guten Ruf. Wir waren der erste Delikatessenhändler, der sich nur auf Feinkost „Made in Germany“ spezialisiert hat. Wir sind die Experten regionaler Delikatessen und Manufakturen und daher stellen sich viele Hersteller von alleine bei uns vor. Bei uns steht man in guter Gesellschaft und eben nicht neben einem seelenlosen Industrietoast, um das Image des Händlers aufzupolieren. Wir suchen Delikatessen nicht unbedingt nach Absatzgröße aus, sondern wählen manchmal auch ganz bewusst Nischenprodukte aus, die uns einfach nur begeistern und von denen wir überzeugt sind.

 

04. Trotz eurer Exklusivität ist eines der Unternehmens-Maxime auf Augenhöhe mit den Lieferanten zu sein. Wie sieht die Umsetzung in deinem Geschäftsalltag aus?

 
JAN SCHAWE: Ja, unsere Lieferanten und Manufakturen leben von Mutterland und wir von ihnen. Es geht nicht darum, den anderen zu übervorteilen. Bei uns gibt es keine Listungsgelder, Werbekostenzuschüsse, einen unfairen Druck beim Einkaufspreis oder monatelange Zahlungsziele wie bei manchem Discounter. Es gibt Manufakturen, von denen verkaufen wir mittlerweile die zehnfache Menge wie am Anfang, dennoch gehen wir nicht hin und sagen „entweder bekommen wir die Ware günstiger oder wir nehmen jemand anderen“. Uns sind langfristige Partnerschaften wichtig, wir möchten die Manufakturen und deren Inhaber kennen, wir suchen den Dialog und wir tauschen uns oft sehr intensiv aus. Da ich aus dem Marketing und Handel komme, wünschen sich auch manche Inhaber mein Feedback bevor sie ein Produkt auf den Markt bringen. Viele unserer Lieferanten sind echte Überzeugungstäter, unwahrscheinliche Genies, wahre Helden, die mit Herzblut und aus Überzeugung handeln. Ich bewundere sie und bin wirklich stolz mit ihnen so eng zusammenarbeiten zu dürfen.

Das Mutterland ist ein moderner Feinkosthandel. Wer sich eigentlich einen Salat holen wollte, stöbert noch kurz zwischen Schokolade und besonderem Gin und wer eigentlich ein Präsent erstehen wollte, genießt doch noch schnell einen Flat White zu einem köstlichem Franzbrötchen. Mutterland ist ein Ort an den man kommt, um zu genießen. Wir sitzen mit Gründer und Inhaber Jan Schawe im Mutterland Cölln’s und stellen ihm 10 Fragen…

01. Hallo Jan, das erste Mutterland hast du 2007 in St. Georg eröffnet. War die Standortwahl ein Zufall oder ganz bewusst gewählt, um solch ein Konzept in Hamburg zu starten?

 

JAN SCHAWE: Ich mag lebendige Stadtteile und St. Georg und die Gegend um den Hamburger Hauptbahnhof sind ein solcher. Hier herrscht ein aufregender Mix vieler Kulturen und Menschen. Ich mag die Nachbarschaft mit den Hotels, Theatern und Museen und wir fühlen uns hier von Anfang an pudelwohl! Denn Mutterland ist ein Ort, an dem alle willkommen sind. Gute Lebensmittel und den kleinen Luxus für Zwischendurch gönnt sich jeder schließlich einmal, oder?

 

02. Mit der Gründung von Mutterland wolltest du deine Lebensphilosophie zum Beruf machen. Hat das aus deiner Sicht geklappt?

 

JAN SCHAWE: In vielen Bereichen ja. Mir war es wichtig meine beiden „gefühlt“ konträren Lebensstile zusammenzuführen. Als typischer Großstädter möchte ich, wenn ich mir etwas kaufe, Spaß und ein schönes Erlebnis haben, dazu erwarte ich aber selbstverständlich eine gute Qualität. Als Mensch der über den Tellerrand hinwegschaut, möchte ich aber auch fair mit meiner Umwelt umgehen und damit meine ich Menschen, Tiere und die Natur. Das war früher oft mit einem hedonistischen Lebensstil nicht möglich. Entweder war es einem egal, wie die Turnschuhe hergestellt wurden oder man musste zum Ökoaktivisten werden, der angestrengt und verbissen ist. Ich wollte und möchte Spaß haben und glücklich sein, ohne dabei oberflächlich und blind durchs Leben zu laufen. Unser westlicher Lebensstil sollte nicht auf dem Rücken und auf Kosten anderer aufgebaut sein. Mit Mutterland bin ich vor 15 Jahren einen Schritt in die richtige Richtung gegangen, ohne unseren Kunden das tagtäglich auf die Nase zu binden. Einen moralischen Zeigefinger mag schließlich niemand – und einkaufen aus Mitleid auch nicht.

 


Ich möchte fair mit meiner Umwelt umgehen…“


 

 


Wir waren der erste Delikatessenhändler, der sich nur auf Feinkost „Made in Germany“ spezialisiert hat...


 

07. Mutterland ist auch Online unterwegs und bietet nicht nur viele nützliche Informationen im Web an, sondern auch einen Onlineshop. Aber ist und bleibt das Delikatessengeschäft nicht ein Offline-Geschäft? Riechen, schmecken, probieren und die persönliche Beratung. Was sagst du?

 
JAN SCHAWE: Unsere Kunden und Gäste lieben es zu uns in die Geschäfte zu kommen und einfach zu stöbern – oder den frischen Kuchen und die hausgemachten Franzbrötchen aus unserer Backstube zu probieren und mit nach Hause zu nehmen. Mutterland bietet als Delikatessenhändler mit realen Geschäften einen entscheidenden Vorteil gegenüber den vielen Onlineplattformen, die aus Lagerhallen im Industriegebiet versenden. Man kann zu uns kommen, sich persönlich beraten lassen, die Feinkost anschauen, anfassen und erleben. Dennoch wird sich der Einzelhandel in den nächsten Jahren weiter drastisch ändern. Jetzt einzuschlafen wäre fahrlässig. Mein Geschäftspartner Holger und ich haben nicht nur die Verantwortung gegenüber unseren Lieferanten, sondern auch monatlich für gut 80 Mutterland Mitarbeiter und deren Familien. Man muss am Ball bleiben und darf nicht darauf warten, bis die großen internationalen Onlineanbieter auch hier den Markt komplett schlucken und dann am Ende noch nicht einmal ihre Gewinne bei uns in Deutschland versteuern.

 

08. Soll das Mutterland eigentlich ein Hamburger Konzept bleiben oder wollt ihr auch in andere Städte oder gar Länder expandieren?

 
JAN SCHAWE: Das werden wir oft gefragt und da sind wir hin und her gerissen. Mich langweilen die heutigen Innenstädte. Egal ob man in Hamburg, München, London oder New York ist, es wird immer austauschbarer. Egal ob ich eine Marke gut finde oder nicht, es wird immer monotoner. Und auch die sogenannten individuellen, hippen Konzepte werden immer ähnlicher. Es wird halt heutzutage lieber kopiert als selbst entwickelt (schmunzelt). Wir haben uns daher entschieden vorerst in Norddeutschland zu bleiben, auch wenn wir unseren Radius erweitern. Gerade haben wir mit den Heimathafen Hotels kooperiert und in Büsum das erste Mutterland an der Nordsee eröffnet.

 

09. Welche Weiterentwicklung würdet ihr euch langfristig für das Mutterland wünschen?

 
JAN SCHAWE: Dass wir unserer Linie treu bleiben und wir vorderrangig auf Qualität statt Umsatz setzen. Mein Geschäftspartner Holger und ich möchten stolz auf das Mutterland sein. Mit der geballten Kompetenz von Holger im Rücken, der seit über 20 Jahren viele Teegeschäfte und Gastronomien mit Premiumtee aus den wichtigsten Anbaugebieten der Welt beliefert, haben wir gerade unsere eigene Mutterland Teelinie noch besser gemacht und erweitert. So gibt es unseren Tee jetzt nicht nur lose in der Premiumdose, sondern auch im biologisch abbaubaren Teebeutel für Zuhause, und für die Gastronomie. Hier wünschen wir uns moderne Gastronomen und Hoteliers, die das gleiche Anspruchsdenken haben wie wir und den Tee bei sich aufnehmen und ausschenken möchten.
05. Mit der Austernstube Cölln’s am Rathausmarkt hast du vor zwei Jahren eine Hamburgensie in die Mutterland Familie aufgenommen. Was ist das Besondere am „Trends kommen und gehen – und das immer schneller. Qualität bleibt!“ Restaurant Cölln’s und inwiefern ist die Mutterland Philosophie in die denkmalgeschützten Räume am Rathausmarkt eingezogen?
 
JAN SCHAWE: Das Cölln’s ist in erster Linie ein erstklassiges norddeutsches Restaurant mit einer köstlichen Fisch- und Austernauswahl. Unser Küchenchef Marco Kaluscha, der schon für Kevin Fehling als Sous-Chef in Travemünde und als Küchenchef im Dallmayr Bar & Grill in München tätig war, kreiert saisonal und wöchentlich wechselnde Gerichte die dem Erbe des Cölln’s gerecht werden, andererseits zeitgemäß sind und mit der Mutterland Philosophie harmonieren. Neben einer ausgewählten Abendkarte mit Scholle, Auster und Co. gibt es die typischen Mutterland Klassiker auf der Tageskarte. Wir binden auch die Delikatessen aus unseren Regalen in unsere Gerichte ein, sodass dabei z.B. ein Dessert mit einem unserer eigenen Mutterland Tees entsteht.

 

06. Das Mutterland hat den klaren Aufwärtstrend und das gestärkte Bewusstsein für die heimische Küche und regionale Produkte maßgeblich mitgeprägt. Wie siehst du kommende Trendentwicklungen in der Branche?

 
JAN SCHAWE: Das kann man so nicht sagen. Wir waren schon 2007 da, bevor der Trend Regionalität und die heimische Küche in den Medien und im Alltag angekommen waren. Ich würde sogar behaupten, wir haben diesen Trend mit wenigen anderen in Deutschland überhaupt zum Thema gemacht. Unzählige Vorstände, Agenturen und Experten der Foodbranche waren bei uns und haben den ganzen Laden abfotogra ert oder Musterkäufe vorgenommen. Es gab unzählige nationale und internationale Presseartikel über das Mutterland und der Deutsche Einzelhandelsverband hat uns schon vor einem Jahrzehnt zum besten Foodkonzept des Jahres gewählt. Aber wie bereits gesagt, die Idee zu Mutterland war mein Lebensstil und ich hatte bei der Gründung keinen Trendgedanken. Trends kommen und gehen – und das immer schneller. Qualität bleibt, zumindest manchmal (lacht). Es macht einfach Sinn, Waren und Güter wie z.B. Mineralwasser nicht unnötig viel um die ganze Welt zu transportieren. Wir hinterlassen den nachfolgenden Generationen eh schon zu große Altlasten. Ich nde wir sollten lieber auf Qualität achten und weniger auf Quantität.

 


Viele unserer passionierten Hersteller sind Genies und wahre Helden…“


 

10. Was plant Mutterland für 2020?

 
JAN SCHAWE: Wir haben große Pläne und bauen 2020 unser Mutterland Stammhaus um. Das Mutterland in St. Georg machen wir jetzt größer und schöner. Es ist vor 12 Jahren unser allererstes Mutterland gewesen und hat damit eine ganz besondere Bedeutung für uns. Wir freuen uns schon auf die noch größere Auswahl an süßer und herzhafter Feinkost. Unser Speisenangebot im To Go Bereich wird ebenfalls erweitert, sodass man sich ein köstliches Mittagessen mit ins Büro nehmen oder mal eben schnell eine Kleinigkeit zwischendurch vernaschen kann. Unser größerer Restaurantbereich wird dann bis in den Abend geöffnet sein und mehr Platz und Auswahl zum Genießen bieten. Auch Reservierungen sind dann möglich. Es wird zwar viel Arbeit auf uns zukommen, aber wir freuen uns schon riesig auf die Frischzellenkur und ein paar neue Highlights, die ich hier nicht verrate ... (lacht) 

WUSSTEST DU...

... dass Jan Schawe Kommunikationswirt ist und mit seiner Designagentur (welovedesign.net) das gesamte Interior-, Corporate- und Verpackungs-Design von Mutterland gestaltet? Jan liebt Hamburg, aber auch Berlin, München und das Meer. Er schätzt die Spaziergänge mit seinem Hund Gustav und er liebt es, von seiner Mutter bekocht zu werden. Seit Januar 2019 betreibt Jan das Mutterland nicht mehr alleine, sondern hat sich einen langjährigen Kollegen mit an Bord geholt: Holger Sturm. Der Familienvater ist breit aufgestellt und nicht nur Inhaber des Café Paris, sondern auch Teegroßhändler.